Vergleichstest BA Stagediver Ibasso Brainwavz

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Robodoc
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Vergleichstest BA Stagediver Ibasso Brainwavz

Beitragvon Robodoc » So 6. Aug 2017, 17:34

Heute hatte ich Gelegenheit, gemeinsam mit dem Forenbekannten ErnstBusch (bekannt aus der Klinik, dort war er im Entwicklerteam des Forenhörers, jedenfalls bevor er rausflog), eine Reihe von hochwerigen Inearhörern auszuprobieren. Dieses waren im einzelnen:

InEar Stagediver SD-2
InEar Stagediver SD-4
Ibasso IT03
Brainwavz B200

Bis auf den IT03 sind die Hörer aus dem Bestand von Ernst und mir. Danke an Mark (MLSensai) für die Bereitstellung des IT03.

Ich möchte an dieser Stelle keinen review-artigen Bericht über die Hörer verfassen. Erstens sind insbesondere die Stagediver interessierten Lesern hinreichend bekannt. Zweitens sind über alle genannten Hörer in den einschlägigen Blogs und Foren entsprechende Reviews zu finden. Und drittens kann ich mir durchaus vorstellen, später noch zu dem ein oder anderen ein Review zu verfassen. Das würde ich dann aber in einen eigenen Thread stellen, damit das nicht in so einem Vergleichsbericht untergeht. Mir geht es heute um subjektive Klangeindrücke und ein Ranking, das interessanterweise bei Ernst und bei mir ziemlich unterschiedlich ausgefallen ist.

Zum Tragekomfort:
Der kleinste Hörer, der Brainwavz B200, ist der am angenehmsten zu tragende. Er flutscht quasi von alleine ins Ohr und verschwindet dort quasi, man spürt den nach kurzer Zeit nicht mehr. Das ist sehr schön. Auch die Isolation ist sehr gut. Der Ibasso IT03 ist für mich schwierig im Handling. Ich weiß oft nicht, welcher auf welche Seite muss und das Einsetzen ist anfangs eine Herausforderung. Ernst bekommt das besser hin, er hat eher mit den Stagedivern anfängliche Probleme. Wie auch immer, wenn der IT03 erst mal sitzt, sitzt er gut. Die Isolation ist jedoch nicht so gut wie bei den anderen. Das Einsetzen der Stagediver klappt bei mir sehr gut, ich habe anscheinend Stagediver Ohren. Bekanntlich sitzen die Stagediver recht tief im Ohr, dadurch haben wir hier die beste Isolation. Der Summtest klappt hier auf Anhieb.
Letztlich sitzen alle Hörer gut. Hohes Niveau in der Passform bei uns beiden. Nichts wackelt, nichts fällt raus. Die Hörer sind auch allesamt für unterwegs, Sport etc. geeignet.

Zur Musik ... Ich habe gehört:
1. Cassandra Wilson - Red Guitar
2. Dave Brubeck Quartet - Black And Blue (Concord On A Summer Night)
3. Club De Belugas - Tarrango
4. Ayo - Without You
5. Nathalie Merchant - San Andreas Fault
Also eine klare Dominanz der akustischen Musik mit Frauenstimmen in diesem Portfolio. Ein bisschen Daft Punk und auch die neue Yello war auch mit drin, um die elektronische Musik nicht zu vernachlässigen.
Als Abspielgeräte waren die Ibasso DX80 und DX90 da, so dass ein zügiges Wechseln zwischen den Hörern möglich war ... gut für direkte Vergleiche.

Um es kurz zu machen, kommen wir zuerst zu den Gewinnern des Vergleichs ... bei mir war der SD-4 vorne. Grund: Die beeindruckende Bühne, eine Tonalität, die mir sehr zusagt (Ernst weniger übrigens), die sehr gute Auslösung und eine Passform und Isolation, die quasi ideal ist. Das geht auch mit CIEMs nicht besser. Ernst hatte den SD-2 vorne. Er steht auf möglichst lineare Abbildung und - das kann der SD-2 tatsächlich am besten. Ich sehe das auch so, mir ist jedoch die leichte Badewannenabstimmung des SD-4 etwas lieber.

Diese Passage liest sich jetzt so, als seien die anderen Hörer Brainwavz und Ibasso abgeschlagen. Das ist definitiv nicht so, daher jetzt auch ein paar Worte zu diesen Hörern. Kommen wir zunächst zum Ibasso IT03, ein sehr schöner und gelungener Inear, etwas schwierig im Handling, das sagte ich ja schon. Aber wenn er mal sitzt ... wow. Was haben wir hier? Eine Kombination eines dynamischen Basstreibers mit 2 Balanced Armature Treibern. Ein Hörer, der im Gegensatz zu den filigran auflösenden Stagedivern, die ja nur mit Balanced Armature Treiber bestückt sind, deutlich relaxter aufspielt und irgendwie "analog" wirkt. Ich habe lange überlegt, ob mir der IT03 oder der SD-4 besser gefällt und den Ausschlag hat dann die für mich ideale Passform des SD-4 gegeben. Klanglich sind beide Hörer zwar unterschiedlich, aber auf verdammt hohem Niveau. Wenn man nun bedenkt, dass der IT03 nur die Hälfte des SD-4 kostet, muss man schon sehr verrückt sein, dem SD-4 den Vorzug zu geben. Nun was solls, ich bin sehr verrückt. Für mich ist das ein Fotofinish, aber am Ende des Tages bevorzuge ich den SD-4. Ernst sieht das übrigens ähnlich, er sah den IT03 vor dem SD-4, hatte jedoch aus tonalen Gründen den SD-2 ganz vorne. Auch er war von dem dynamischen Basstreiber beeindruckt und meinte sogar in der Diskussion noch deutlicher als ich, dass dieser Hybrid sehr gelungen sei.

Tja und damit kommen wir zum offensichtlichen Schlusslicht dieses Vergleichs. Der Brainwavz B200 ist momentan mein Lieblingshörer für unterwegs. Warum? Genial klein, unscheinbar, sehr gute Isolation und 2 Balanced Armatures, die einen guten Job machen. Warum dann Schlusslicht? Weil er für mich gegen die großen Hörer tonal etwas schwächelt. Zurückgesetzte Höhen ... die zirpenden Grillen in Brubecks Live Konzert Concord On A Summer Night muss man schon kennen, sonst überhört man die leicht. Solche Feinheiten schaffen die Stagediver und auch der Ibasso besser. Also etwas weniger Auflösung hier. Etwas weniger Höhen. Dafür zero Siblianz ... und eine langzeittaugliche Tonalität, bei der ich auf langen Bahnfahrten gerne die Augen zumache und einfach geniesse. Wer einen Stagediver kennt, weiß, dass der schon mal nerven kann mit seiner Auflösung, insbesondere bei schlechteren Aufnahmen. Das passiert hier nicht. Also ein Schlusslicht nur im direkten Vergleich mit dem - für mich - Boliden der Branche. Sonst ein feiner Hörer.
Aber ... was mir ein wenig Stirnrunzeln macht ... warum spendiert Brainwavz einem 200 Dollar Hörerchen dieses Kalibers kein abnehmbares Kabel? Das ist wirklich schade, weil das zwangsläufig irgendwann zur Ausmusterung führen wird.

Also hier abschließend das Ranking, mein Ranking, für das Ranking von Ernst tausche man einfach die beiden Stagediver aus.
1. InEar Stagediver SD-4
2. Ibasso IT03
3. InEar Stagediver SD-2
4. Brainwavz B200

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Re: Vergleichstest BA Stagediver Ibasso Brainwavz

Beitragvon Robodoc » Do 10. Aug 2017, 19:59

Hier kann ich noch einige Freqeunzgänge nachreichen.

Es war die erste Messung von InEars auf unserer Messstation, daher ist noch keinerlei Korrekturkurve berücksichtigt. Rein subjektiv zeichnet die Station den Bass etwas zu gering auf. Ich werde die Tage mal diverse SD-4 Messungen vergleichen und dann eine geeignete Korrekturkurve erstellen. Solange erstmal das hier, zeigt zumindest ganz gut die Unterschiede zwischen den Hörern und passt bis auf den Absolutpegel im Bass auch subjektiv ganz gut.

Auch fehlt der Stagediver SD-2 in dieser Messung, der war heute leider nicht mehr verfügbar.

Edit: Ich habe jetzt eine vorläufige Korrekturkurve und konnte die Messungen damit etwas plausibler darstellen. Deswegen habe ich den Messgraphen jetzt ausgetauscht.

inearall.jpg
inearall.jpg (80.05 KiB) 269 mal betrachtet


Die grüne Kurve ist der Stagediver SD-4
Die rote Kurve ist der Brainwavz B200
Die blaue Kurve ist der IBasso IT03

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Re: Vergleichstest BA Stagediver Ibasso Brainwavz

Beitragvon bartzky » Do 10. Aug 2017, 20:27

Die Messungen haben tatsächlich noch etwas Verbesserungspotential :kilroy:

Hier gibt es übrigens eine sehr gute und verlässliche Messung vom SD4: https://clarityfidelity.blogspot.de/2017/01/inear-stagedriver-4-sd-4-u-iem.html

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Re: Vergleichstest BA Stagediver Ibasso Brainwavz

Beitragvon Robodoc » Do 10. Aug 2017, 21:04

Wenn mein Messaufbau mal stabil ist dann lässt sich bestimmt auch eine Korrekturkurve finden die die Tücken des Aufbaus so kompensiert, das was vernünftiges dabei heraus kommt.

bis dahin kann ich diese Messungen ganz gut gebrauchen um zum Beispiel einen Hörer per EQ auf den Klang eines anderen Hörers anzupassen.

Das ist mir bei dem B200 ganz gut gelungen, der klingt mit ein bisschen EQ jetzt sehr ähnlich zum Stagediver. Es ist schon nützlich zu wissen, wieviel man wo korrigieren muss. Auch wenn die Messung so absolut und ohne Korrektur vielleicht nicht allzu viel taugt.

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Re: Vergleichstest BA Stagediver Ibasso Brainwavz

Beitragvon Robodoc » Sa 12. Aug 2017, 18:39

Ich habe mal eine - provisorische - Korrekturkurve versucht zu ermitteln, die Messung des Stagediver SD-4 sieht damit jetzt so aus

sd-4.jpg
sd-4.jpg (66.6 KiB) 271 mal betrachtet


Ich denke das kommt schon ganz gut hin. Das Abrollen unter 30 Hz ist wohl noch meinem provisorischen Aufbau geschuldet. Die Messungen in dem obigen Beitrag (auch für die anderen InEars) habe ich angepasst.

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Re: Vergleichstest BA Stagediver Ibasso Brainwavz

Beitragvon hadisch » Sa 12. Aug 2017, 19:13

Ja, sehe ich auch so.
Im Bass fällt er zu früh ab und ich hatte gedacht,dass die Höhen höchsten 3-5 dB angehoben sind.
Natürlich kann ich mich da irren. :D

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Re: Vergleichstest BA Stagediver Ibasso Brainwavz

Beitragvon Robodoc » Sa 12. Aug 2017, 19:37

Das Abrollen im Bass unter 30 Hz habe ich ja bisher bei allen Messungen. Das ist auch nicht mehr kompensierbar, da kommt einfach nichts an.
Kann eigentlich nur am Aufbau liegen. Der ist ja noch sehr simpel. Oder am Mikrofon. Ist zwar der gleiche Typ Mikro, wie die meisten hier den auch in der Kopfhörermessung verwenden (und da komme ich zumindest mit meinem bis 20 Hz runter), aber es ist eben wieder ein anderes.
Den Anstieg zwischen 2 und 6 kHz halte ich übrigens für plausibel. Der SD-4 ist halt eine Badewanne.

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Re: Vergleichstest BA Stagediver Ibasso Brainwavz

Beitragvon hadisch » Sa 12. Aug 2017, 20:15

Meine Ohren hören bei meinem SD4 keine Badewanne.
Höchstens leicht angehobene Höhen.
Natürlich können auch meine Ohren sich täuschen.
Vielleicht kann ich irgendwann auch InEar messen,dann weiß ich mehr. :kh:

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Re: Vergleichstest BA Stagediver Ibasso Brainwavz

Beitragvon bartzky » Mi 16. Aug 2017, 08:56

Robodoc hat geschrieben:Ich habe mal eine - provisorische - Korrekturkurve versucht zu ermitteln, die Messung des Stagediver SD-4 sieht damit jetzt so aus

Das sieht doch schon deutlich besser aus :top:

Robodoc hat geschrieben:bis dahin kann ich diese Messungen ganz gut gebrauchen um zum Beispiel einen Hörer per EQ auf den Klang eines anderen Hörers anzupassen.

Wenn die Messungen zumindest untereinander stimmig sind, ist das ja schon die halbe Miete.
Nutzt du auch die internen Funktionen von REW für das Erstellen des Korrektur EQs?

Was hast du eigentlich für einen Messaufbau?


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